Reflexzonenmassage im Faktencheck: Evidenz, Wirkung & Mythen
Artikel 10. August 2026

Reflexzonenmassage im Faktencheck: Evidenz, Wirkung & Mythen

Die Reflexzonenmassage geht davon aus, dass die Fußsohlen ein Spiegelbild des Körpers sind und Organleiden über Druckpunkte gelindert werden können. Anatomisch existieren die postulierten Reflexzonen oder Energiebahnen nicht. Systematische Reviews zeigen keine spezifische Wirksamkeit über allgemeine, entspannende Fußmassagen hinaus.

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Reflexzonenmassage: Zwischen Wellness und Alternativmedizin – Eine evidenzbasierte Analyse

1. Einleitung und grundlegende Definition

Die Reflexzonenmassage, oft auch als Reflexologie bezeichnet, ist eine weit verbreitete manualtherapeutische Methode aus dem Bereich der Alternativmedizin. Im Zentrum dieser Lehre steht die Annahme, dass sich der gesamte menschliche Körper – einschließlich aller inneren Organe, Drüsen und des Nervensystems – in spezifischen Zonen auf den Fußsohlen, den Händen oder den Ohren "widerspiegelt". Durch gezielten Druck und spezifische Massagetechniken an diesen sogenannten Reflexzonen soll es möglich sein, diagnostische Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu ziehen und therapeutische Effekte im gesamten Organismus zu erzielen.

Besonders die Fußreflexzonenmassage erfreut sich extrem großer Beliebtheit. Viele Patientinnen und Patienten suchen bei anhaltenden Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder allgemeinen Stresszuständen entsprechende Praxen auf. Die Motivation dahinter ist absolut nachvollziehbar: Der Wunsch nach echter Linderung, tiefer Entspannung und einer sanften, medikamentenfreien Behandlung steht im Vordergrund.

Um fundierte Gesundheitsentscheidungen treffen zu können, ist es jedoch wichtig, die historischen Ursprünge, die postulierten Wirkmechanismen und insbesondere die wissenschaftliche Faktenlage (Evidenz) dieser Methode objektiv zu beleuchten. Wo endet die wertvolle, entspannende Wirkung der Wellness, und wo beginnen unhaltbare medizinische Heilsversprechen?

2. Historische Entwicklung: Von der Zonentherapie zur Reflexologie

Oft wird zur Legitimierung der Reflexzonenmassage auf jahrtausendealte Traditionen aus dem alten Ägypten (etwa um 2330 v. Chr.) oder auf Einflüsse der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verwiesen. Historische Abbildungen von wohltuenden Fußmassagen existieren zweifellos in vielen Kulturen weltweit. Die spezifische, detaillierte Zuordnung von inneren Körperorganen zu exakten Arealen der Fußsohle, wie sie heute praktiziert wird, ist jedoch ein vergleichsweise modernes Konstrukt aus dem westlichen Raum.

Dr. William H. Fitzgerald (1872–1942) Der US-amerikanische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. William Fitzgerald gilt als Begründer der modernen Zonentherapie. Im Jahr 1915 veröffentlichte er die Theorie, dass der menschliche Körper in exakt zehn vertikale Längszonen unterteilt sei, die gleichmäßig von den Zehen bis zum Kopf verlaufen. Er stellte die Hypothese auf, dass ein stetiger Druck auf einen bestimmten Teil einer Zone eine schmerzlindernde Wirkung in einem völlig anderen Körperbereich derselben Zone auslösen könne.

Eunice Ingham (1889–1974) In den 1930er Jahren griff die Physiotherapeutin und Masseurin Eunice Ingham Fitzgeralds Ideen auf und entwickelte sie maßgeblich weiter. Ingham konzentrierte sich primär auf die Füße, da sie davon ausging, dass diese aufgrund ihrer Sensibilität und anatomischen Beschaffenheit besonders empfänglich für diese Art der Therapie seien. Sie erstellte detaillierte "Landkarten" der Fußsohlen, auf denen sie den gesamten Körper als eine Art Miniaturabbild (einen sogenannten Mikrokosmos) verortete. Ihre Karten bilden bis heute das theoretische Fundament der modernen Reflexologie.

3. Die angenommene Wirkungsweise: Wie soll Reflexologie funktionieren?

Vertreter der Reflexzonenmassage postulieren, dass die Füße ein exaktes, verkleinertes Spiegelbild (in der Medizin Somatotopie genannt) des gesamten Organismus darstellen. Wenn beispielsweise ein Patient an Magenbeschwerden leidet, so die Theorie, würde sich dies durch Verhärtungen, Schmerzhaftigkeit oder kleine kristalline Ablagerungen in der spezifischen "Magenzone" am Fuß bemerkbar machen.

Die von Therapeuten postulierten Wirkmechanismen umfassen in der Regel folgende Aspekte:

  • Auflösung von Energieblockaden: Ähnlich wie in der Akupunktur wird oft von einer Lebensenergie gesprochen (Qi oder Prana), die in bestimmten Bahnen fließt. Krankheit entsteht demnach durch Stauungen und Blockaden dieses Flusses. Die gezielte Massage der Reflexzonen soll diese energetischen Blockaden auflösen.
  • Entschlackung und Durchblutungsförderung: Es wird häufig behauptet, dass sich Abbauprodukte des Stoffwechsels an den feinen Nervenenden im Fuß ansammeln. Die tiefe Druckmassage soll diese "Ablagerungen" zerkleinern, sodass sie vom Körper über das Lymphsystem abtransportiert werden können. Gleichzeitig werde die Durchblutung der zugehörigen Organe angeregt.
  • Aktivierung der Selbstheilungskräfte: Die Methode wird als ganzheitlich beworben; sie heile nicht nur das Symptom, sondern rege den Körper an, sein inneres Gleichgewicht (die Homöostase) wiederherzustellen.

Metapher: Das Prinzip der Fernbedienung

Um die Theorie der Reflexologie anschaulich zu machen, hilft das Bild einer Fernbedienung: In diesem Modell wird der Fuß als Fernbedienung für den Körper betrachtet. Jeder "Knopf" (die Reflexzone) soll ein bestimmtes "Gerät" (das Organ, z. B. die Leber oder die Niere) gezielt ansteuern. Aus wissenschaftlicher und anatomischer Sicht ergibt sich hierbei jedoch ein zentrales Problem: Einer Fernbedienung fehlen ohne Kabelverbindungen (Nervenbahnen) oder ohne Funksignale (spezifische Botenstoffe/Hormone) die physikalischen Voraussetzungen, um die Befehle zielgerichtet an das Endgerät zu übertragen.

4. Medizinischer Exkurs: Echte Reflexzonen vs. Reflexologie

Ein sehr häufiges Missverständnis, das wesentlich zur scheinbaren Plausibilität der Reflexzonenmassage beiträgt, ist die Verwechslung der Methode mit echten, anatomisch bewiesenen neuroanatomischen Reflexzonen, den sogenannten Head'schen Zonen.

Die Head'schen Zonen sind in der klassischen Medizin hervorragend erforscht und belegt. Wenn innere Organe erkranken, können Schmerzen in bestimmten Hautarealen (Dermatomen) auftreten. Das klassischste Beispiel hierfür ist der Herzinfarkt, der bekanntermaßen oft in den linken Arm, die Schulter oder den Kiefer ausstrahlt. Dies geschieht, weil die sensiblen Nerven des Herzens und die sensiblen Nerven des linken Arms auf exakt derselben Höhe in das Rückenmark eintreten. Das Gehirn kann den eingehenden Schmerzreiz nicht absolut exakt zuordnen und projiziert ihn gewissermaßen fälschlicherweise auf die Haut.

Die in der Fußreflexzonenmassage postulierten Zonen haben jedoch nichts mit diesen Head'schen Zonen gemeinsam.

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| VEREINFACHTE DARSTELLUNG: ECHTE REFLEXBÖGEN VS. REFLEXOLOGIE|
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1. Die Head'schen Zonen (Anatomisch bewiesen):
[Inneres Organ] <======> [Rückenmark] <======> [Hautareal]
       (Gemeinsame nervale Verschaltung ist klar messbar)

2. Die Fußreflexzonen (Anatomisch nicht belegt):
[Inneres Organ] <......> [Energiebahnen?] <......> [Fußsohle]
       (Kein anatomisches oder physiologisches Korrelat messbar)

Aus Sicht der evidenzbasierten Anatomie und Neurologie gibt es schlichtweg keine Nervenverbindungen oder anatomischen Strukturen, die eine spezifische Stelle am großen Zeh exklusiv mit der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) oder eine bestimmte Stelle der Ferse zielgerichtet mit dem Ischiasnerv verbinden. Die detaillierte "Landkarte" auf dem Fuß existiert im biologischen Gewebe nicht.

5. Die wissenschaftliche Faktenlage: Was sagen Studien?

Um objektiv zu prüfen, ob die Methode trotz des fehlenden anatomischen Erklärungsmodells im klinischen Alltag funktioniert, hat die Wissenschaft im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Studien durchgeführt. Das etablierte Verfahren hierfür sind randomisierte kontrollierte Studien (RCTs).

Eine besondere methodische Herausforderung bei der Untersuchung von manuellen Massagen ist die sogenannte Verblindung. Patienten merken natürlich zweifelsfrei, ob sie berührt und massiert werden oder nicht. Um den immensen Placebo-Effekt der reinen Zuwendung herauszurechnen, nutzen methodisch gute Studien eine "Sham-Intervention" (Schein-Behandlung). Dabei erhält die Kontrollgruppe der Studie ebenfalls eine ausgiebige Fußmassage, der Therapeut drückt jedoch absichtlich falsche Zonen oder massiert den Fuß nur sehr sanft und allgemein, ohne das spezifische System der Reflexologie anzuwenden.

Die Ergebnisse hochwertiger systematischer Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) sind hierbei sehr konsistent:

Die Arbeiten von Edzard Ernst (2009 & 2011) Prof. Edzard Ernst, ein international führender Forscher auf dem Gebiet der Komplementärmedizin, wertete systematisch alle verfügbaren Studien zur Reflexzonenmassage aus. Sein Fazit: Es gibt keine überzeugende wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Reflexzonenmassage bei irgendeiner spezifischen medizinischen Indikation (wie Asthma, schwerem Diabetes, Krebs oder Bluthochdruck) wirksam ist. Studien, die zunächst eine scheinbare Heilwirkung zeigten, fielen fast durchgehend durch gravierende methodische Mängel auf (z. B. fehlende Verblindung, zu kleine Teilnehmerzahlen). Sobald eine Studie wirklich gut designt war und mit einer Schein-Kontrollgruppe arbeitete, verschwand der spezifische therapeutische Effekt der Reflexzonen. Es zeigte sich klinisch kein signifikanter Unterschied zwischen der streng nach Zonenkarte durchgeführten Reflexzonenmassage und der Schein-Massage.

Cochrane Reviews Die Cochrane Collaboration, ein globales, unabhängiges Netzwerk von Forschern, das weltweit als unangefochtener Goldstandard für medizinische Evidenz gilt, untersuchte die Methode ebenfalls mehrfach. Ein Cochrane Review von 2018 zur Schmerzbehandlung während der Geburt zeigte, dass es keine ausreichenden Belege dafür gibt, dass Reflexologie Schmerzen besser lindert als die medizinische Standardversorgung oder allgemeine Entspannungsmethoden. Ähnlich ernüchternde Ergebnisse lieferten Reviews zur Behandlung von Multipler Sklerose.

Diagnostische Zuverlässigkeit Auch der diagnostische Anspruch wurde mehrfach wissenschaftlich überprüft. In verblindeten Studien sollten erfahrene Reflexologen Krankheiten der Patienten ausschließlich durch das konzentrierte Abtasten der Füße diagnostizieren. Die Ergebnisse zeigten unmissverständlich, dass die Trefferquote der Reflexologen sich in keiner Weise vom reinen Zufall unterschied.

Metapher: Das Baugerüst der Evidenz

Warum aber fühlt sich die Massage oft so heilsam und gut an, wenn die Zonentheorie anatomisch nicht stimmt? Dies lässt sich hervorragend mit dem Bild eines Baugerüsts veranschaulichen:

[Wahrgenommene Linderung & Wohlbefinden des Patienten]
                                |
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| Spezifische Organkontrolle (Zonen nach Ingham)         | <-- FEHLT (Kein messbarer Unterschied zur Schein-Massage)
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| Entspannung & Physische Stressreduktion                | <-- TRÄGT (Senkt messbar Cortisol & Blutdruck)
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| Zeit, intensive Empathie & menschliche Berührung       | <-- TRÄGT (Fördert u.a. Oxytocinausschüttung)
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Das Fundament der Therapie (Zeit, Empathie, physische Berührung) ist absolut real und hochwirksam. Das "obere Stockwerk" (die spezifische Organkontrolle über detaillierte Zonen) ist jedoch ein theoretisches Konstrukt, das zur eigentlichen Wirksamkeit der Massage nichts Messbares beiträgt.

6. Risiken, Grenzen und Patientensicherheit

Grundsätzlich gilt die manuelle Fußreflexzonenmassage als sehr sanfte, sichere und risikoarme Intervention. Wer sie als wohltuende Wellness-Anwendung genießt, hat körperlich kaum etwas zu befürchten. Im Sinne der Patientensicherheit und der YMYL-Prinzipien (Your Money or Your Life) müssen jedoch gewisse Grenzen und indirekte Risiken klar, respektvoll und sachlich kommuniziert werden.

Direkte Kontraindikationen: Es gibt bestimmte physische Situationen, in denen auf eine Massage der Füße zwingend verzichtet werden sollte:

  • Bei akuten Infektionen am Fuß (wie einem schweren, unbehandelten Fußpilz) oder bei offenen Wunden.
  • Bei vorliegenden tiefen Venenthrombosen in den Beinen (die Massage könnte im schlimmsten Fall mechanisch ein Blutgerinnsel lösen und eine Embolie auslösen).
  • Bei fortgeschrittener diabetischer Neuropathie. Hierbei ist das Schmerzempfinden in den Füßen oft stark herabgesetzt. Durch einen zu starken Druck des Therapeuten können unbemerkt Gewebeverletzungen entstehen, die bei Diabetikern schlecht heilen.

Das eigentliche Risiko: Indirekte Gefahren Die weitaus größere Gefahr von alternativen Heilmethoden ohne Wirknachweis liegt in der mitunter fatalen Verzögerung adäquater medizinischer Hilfe.

  1. Verzögerung lebenswichtiger Therapien: Es ist ein zutiefst menschlicher Impuls, bei erschütternden Diagnosen wie Krebs, Herzkrankheiten oder neurologischen Leiden nach sanften Heilwegen zu suchen. Wenn Patienten jedoch die Behandlungsempfehlungen ihrer Fachärzte ignorieren und exklusiv auf die Reflexologie vertrauen, kann wertvolle, mitunter lebensrettende Zeit für eine effektive Therapie verstreichen.
  2. Die Gefahr von Fehldiagnosen (Nocebo): Wenn ein Reflexologe durch den Tastbefund am Fuß fälschlicherweise behauptet, ein lebenswichtiges Organ sei erkrankt oder "energetisch stark blockiert", kann dies psychisch gesunde Menschen massiv verunsichern (dies nennt man Nocebo-Effekt) und völlig unnötige, belastende medizinische Folgeuntersuchungen auslösen. Umgekehrt kann eine unerkannte, echte Erkrankung die Patienten in gefährlicher falscher Sicherheit wiegen, weil die Füße bei der Massage unauffällig schienen.

7. Warum empfinden so viele Patienten Linderung?

Die subjektiven Erfolgsberichte vieler Patientinnen und Patienten sind absolut real und keinesfalls reine Einbildung. Wenn die Reflexzonentheorie wissenschaftlich nicht haltbar ist, wie lassen sich dann die zahllosen, ehrlichen positiven Erfahrungsberichte erklären? Die Antwort liegt in der faszinierenden Schnittmenge von Psychologie, menschlicher Physiologie und Zwischenmenschlichkeit:

  1. Die immense Heilkraft der Berührung (Therapeutic Touch): Physische Berührung ist in der menschlichen Biologie tief verwurzelt und existenziell. Eine achtsame, langsame Massage stimuliert Rezeptoren in der Haut, regt den Vagusnerv (den entscheidenden "Ruhenerv" des vegetativen Nervensystems) an und führt zur Ausschüttung von Oxytocin (oft als Bindungs- oder Kuschelhormon bezeichnet). Gleichzeitig sinkt der Spiegel der zirkulierenden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. Diese rein physische, messbare Entspannungsantwort lindert Angstzustände, senkt den Blutdruck und mindert das subjektive Schmerzempfinden im gesamten Körper.
  2. Der Faktor Zeit und Zuwendung: In der modernen, oft überlasteten regulären Medizin leiden Ärzte unter extremem Zeitdruck. Ein Termin beim Reflexologen dauert hingegen häufig ungestörte 45 bis 60 Minuten. Der Therapeut hört aufmerksam zu, zeigt aufrichtige Empathie und schenkt dem Patienten seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Dieses tiefe psychologische Gefühl des "Gesehen-Werdens" ist ein extrem mächtiger Anker, der das ganzheitliche Wohlbefinden drastisch verbessern kann.
  3. Der Placebo-Effekt: Wenn Menschen Zeit, Hoffnungen und oft auch Geld investieren und einem fokussierten Behandlungsritual mit der festen Erwartung auf Besserung beiwohnen, reagiert das menschliche Gehirn nachweislich mit der Ausschüttung eigener schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen (Endorphine). Der Placebo-Effekt ist keine magische "Einbildung", sondern eine nachweisbare neurobiologische Antwort des Körpers auf Fürsorge.
  4. Regression zur Mitte: Viele chronische Beschwerden (wie quälende Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Reizdarmsymptome) verlaufen wellenförmig. Der Leidensdruck treibt Patienten meist auf dem absoluten, unerträglichen Höhepunkt der Schmerzen zum Therapeuten. Ab exakt diesem Punkt würde es rein statistisch gesehen ohnehin zu einer natürlichen, zyklischen Besserung der Symptomatik kommen. Da die ersehnte Linderung jedoch zeitlich direkt nach der Massage auftritt, zieht das Gehirn instinktiv, aber fälschlicherweise den kausalen Schluss: "Die Massage hat mein Problem gelöst" (ein Phänomen, das als logischer Fehlschluss Post hoc ergo propter hoc bekannt ist).

8. Fazit und Hinweise für Patienten

Aus Sicht der streng evidenzbasierten Medizin ist die Fußreflexzonenmassage keine gezielte Therapie zur Behandlung spezifischer Krankheiten und darf keinesfalls zur Diagnose von Organleiden herangezogen werden. Die detaillierten anatomischen Landkarten auf den Fußsohlen sind wissenschaftlich nicht haltbar.

Dennoch hat die Reflexzonenmassage absolut ihren berechtigten Wert, wenn man sie richtig einordnet: Sie ist eine hervorragende, tiefenentspannende Wellness-Methode. Eine achtsame und fachgerechte Fußmassage baut den Alltagsstress effektiv ab, fördert die lokale Durchblutung der Füße und kann durch die ungeteilte Zuwendung des Therapeuten das allgemeine Wohlbefinden massiv und nachhaltig steigern.

Tipps für informierte Gesundheitsentscheidungen:

  • Genießen Sie die Entspannung ohne schlechtes Gewissen: Nutzen Sie die Reflexzonenmassage ganz bewusst und gezielt zur Stressreduktion und zur Steigerung Ihres persönlichen Wohlbefindens. Es muss nicht immer hochkomplexe Medizin sein – manchmal reicht auch pure, menschliche Entspannung.
  • Kein Ersatz für die Schulmedizin: Bei ernsten physischen oder psychischen Erkrankungen sollte die Reflexzonenmassage immer nur als begleitende, wohltuende Maßnahme (komplementär) zur ärztlichen Behandlung eingesetzt werden, niemals als alleinige Alternative.
  • Skeptisch bleiben bei konkreten Heilsversprechen: Bewahren Sie sich eine gesunde Skepsis gegenüber Behandlern, die detaillierte diagnostische Aussagen über Ihre inneren Organe treffen ("Ich spüre genau, dass Ihre Nieren überlastet sind") oder gar Heilung bei schweren Erkrankungen in Aussicht stellen. Solche Aussagen widersprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Konsens und deuten auf mangelndes medizinisches Grundlagenwissen oder unseriöse Praktiken hin.

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Quellen & Publikationen

  • Ingham, E. D..(1938).Stories The Feet Can Tell Thru Reflexology.Ingham Publishing. Grund für Verlinkung: Dieses Werk wird in Abschnitt 2 zitiert, um die Weiterentwicklung der Zonentherapie in den 1930er Jahren zu belegen. Eunice Ingham erstellte hier die ersten detaillierten Landkarten der Fußsohlen, die bis heute das theoretische Fundament der Reflexologie bilden.
  • Fitzgerald, W. H., & Bowers, E. F..(1917).Zone Therapy, or, Relieving Pain at Home.I. W. Long. Grund für Verlinkung: Dieses Buch wird in Abschnitt 2 zitiert, um die historischen Ursprünge der Methode zu dokumentieren. Dr. William Fitzgerald führte darin die Theorie der zehn Längszonen ein, auf der die moderne Fußreflexzonenmassage aufbaut.
  • White, A. R., Williamson, J., Ernst, E., & Aslet, S..(2000).A blinded investigation into the accuracy of reflexology charts.Complementary Therapies in Medicine. PMID: 10995902. Grund für Verlinkung: Die Studie wird in Abschnitt 5 und 9 verwendet, um den diagnostischen Anspruch der Reflexzonenmassage zu widerlegen. Sie belegt in einem verblindeten Studiendesign, dass erfahrene Reflexologen nicht in der Lage sind, Krankheiten allein durch das Abtasten der Füße besser als der Zufall zu diagnostizieren.
  • Ernst, E..(2009).Is reflexology an effective intervention? A systematic review of randomised controlled trials.Medical Journal of Australia. PMID: 19740047. Grund für Verlinkung: Diese Studie wird in Abschnitt 5 und 9 zitiert, um die Ergebnisse des systematischen Reviews von Edzard Ernst aus dem Jahr 2009 zu belegen. Sie stützt die zentrale Aussage des Artikels, dass es keine überzeugende wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der Reflexzonenmassage bei spezifischen medizinischen Indikationen gibt.
  • Smith, C. A., Levett, K. M., Collins, C. T., Dahlen, H. G., Ee, C. C., & Suganuma, M..(2018).Massage, reflexology and other manual methods for pain management in labour.Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD009290.pub3. PMID: 29589380. Grund für Verlinkung: Der Cochrane Review wird in Abschnitt 5 und 9 zitiert, um die mangelnde Evidenz der Reflexzonenmassage in einem spezifischen klinischen Kontext, der Schmerzbehandlung bei der Geburt, zu untermauern. Cochrane-Reviews gelten hierbei als Goldstandard der Evidenz, was die Argumentation stärkt.
  • Amatya, B., Young, J., & Khan, F..(2018).Non-pharmacological interventions for chronic pain in multiple sclerosis.Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD012622.pub2. PMID: 30567012. Grund für Verlinkung: Dieser Cochrane Review wird in Abschnitt 5 erwähnt, um zu zeigen, dass auch bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose keine ausreichenden Belege für eine spezifische schmerzlindernde Wirkung der Reflexzonenmassage vorliegen.
  • Ernst, E., Posadzki, P., & Lee, M. S..(2011).Reflexology: An update of a systematic review of randomised clinical trials.Maturitas. PMID: 21111551. Grund für Verlinkung: Die Meta-Analyse wird in Abschnitt 5 und 9 aufgeführt, um ein Update zu den systematischen Reviews von Edzard Ernst bereitzustellen. Sie belegt ergänzend zu der Arbeit aus 2009, dass auch neuere klinische Studien keinen Nachweis für spezifische therapeutische Effekte der Reflexzonenmassage liefern.

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